Zugegeben, die Coronazeit hat einiges ans Tageslicht gebracht, was ich für mich doch relativ erfolgreich versucht habe wegzudrücken. Runterschlucken wäre vielleicht auch das richtige Wort. 5 Kilo schwerer, einiger Erkenntnisse reicher, viele Tränen leichter und mit etwas Fassungslosigkeit scheint nun der Beginn eines Resets zu sein. Wie die Festplatte meines alten Rechners, von dem ich natürlich kein Update gemacht habe, bevor er sich selbst zerschossen hat, stehe auch ich jetzt an dem Beginn des Ladebalkens meines Lebens.

Und so weh das alles tut, so leid mir alles tut, so viel Freude auf der einen Seite und Verletzungen auf der anderen Seite sich nun auch zeigen, es ändert sich nichts, wenn ich meine alten Gewohnheiten, Muster und Ängste hervorhole und noch eine schmerzhafte Ehrenrunde im Rad des Lebens drehe. Versprechungen, Pläne, Träume und Visionen – ja, es gab Zeiten da habe ich dran geglaubt, habe vertraut und blind alles dafür gegeben. Jetzt, wo die Festplatte geschrottet ist, bleibt die Leere und ein Gefühl im Bauch, welchem ich schon viel viel eher hätte vertrauen sollen.

Doch hätte, hätte… es ist so wie es ist! Die Festplatte ist hinüber, mein Akku alle und es beginnt die Zeit eines Neustarts. Und während ich meinen neuen Laptop mit all seinen Dateien, Programmen etc. einrichte, vergleiche ich genau das, was auf meiner eigenen Festplatte so gespeichert ist. Nicht schön und ziemlich chaotisch. Gedanken, Ängste, Panik, Verletzungen, Wut, Eifersucht, Kontrolle und das Gefühl, dass die letzten Jahre einfach nichts wert waren, macht sich breit. Doch immer wieder ploppt das Fenster mit dem Neustart auf und eben dieses macht mir Mut!

In diesem Falle geht der Vorwurf wirklich an mich selbst, denn ich war diejenige, welche mit sich und anderen immer wieder Kompromisse eingegangen ist, wo doch schon viel eher mein eigenes Bauchgefühl gesagt hat, schau lieber genau hin. Das Leben zeigte mir auf seine ganz eigene Weise, dass ich drauf hätte hören sollen. Und mit Installation des neuen Betriebsprogramms, mehr Speicherkapazität, entmüllter Festplatte fange auch ich an genau diese Erfahrung nun abzuspeichern.

Was hat das alles mit der Liebe zu tun?

Nun, nach fast 4 Monaten mein Abendprogramm auf schwedische Romantik a la Inga Lindström umgestellt habe, weil ich dem Coronawahnsinn und vielen anderen Themen aus dem aktuellen Weltgeschehen und meinem persönlichen Umfeld nicht mehr folgen will. Völlig egal – die Gewohnheit der Vergangenheit, die Selbstverständlichkeit der Aufopferung meinerselbst für andere, das Schönreden meiner persönlichen Situation – all das kommt meinem täglichen Abendprogramm sehr nahe. Wie gut, dass mein Vertrauen in mich selbst und meine immer besser programmierte Festplatte (nämlich mit mutigen Entscheidungen, abenteuerlichen Momenten, schönen und inspirierenden Gesprächen mit anderen Menschen) mir täglich zeigen, dass am Ende des Tunnels das Licht schon scheint. Liebe – ein großes Wort! Und vielleicht war es irgendwann mal ehrlich gemeint. Vielleicht haben die Umstände so gut gepasst, dass man diese Zeit zusammen verbracht hat. Ja, Liebe hat viele Gesichter. Und je älter sie wird, desto öfter zeigen sich die „Falten“ des Alltags, die man eben gerne überschminkt, um sie nicht sehen zu müssen.

Doch hilft ja alles nix, es ist so wie es ist. Mit der Liebe, mit dem Beruf, mit dem Alltag – was da ist, ist da! Und was nicht da ist, eben nicht! Sich seiner Kompromisse innerhalb seiner persönlichen Komfortzone mal bewusst zu werden, zeigt statt Falten manchmal auch eine sehr häßliche Fratze. Warum? Nun, wir können mit uns selbst so viele Kompromisse aus Gutgläubigkeit und Liebe treffen wie wir wollen, am Ende übernehmen wir die Verantwortung für das was übrigbleibt. In der Regel sind es Vorhaltungen, verletzte Gefühle und Missverständnisse. Will man das wirklich?

Neustart statt Reset

Und so wachse auch ich an dieser Situation und beginne mich neu zu formatieren. Gesunde Eigenverantwortung, eigene Visionen erschaffen und den Fokus setzen, in die Richtung der Zufriedenheit und Gelassenheit. Sind mal „zu viele Dateien“ offen, dann gönne ich mir die Ruhe zum Löschen und Aussortieren. Einmal durch den Schmerz, die Traurigkeit und was auch immer sich zeigt durchgegangen, wartet am anderen Ende dann ganz sicher wieder ein Happy End. Auch auf mich! Denn neben Corona begann vor 2 Monaten meine 2. Halbzeit und es war niemals die Option eben so weiterzumachen wie bisher.

In diesem Sinne – frage dich doch mal, wo du nicht stimmige Kompromisse eingehst. Und sei mal ganz ehrlich mit dir selbst. Es sind oft mehr, als du denkst. Und wenn sie erstmal bewusst sind, sei dir selbst treu und nimm sie an. Letztlich entscheidest ganz alleine du, ob sie es wert sind dich zum Opfer oder zum Gestalter deiner Zukunft zu machen.

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