Ooookay also nicht das ich mich beschweren will, aber langsam ist es etwas unheimlich, strahlend blauer Himmel, kaum Wolken, klare Luft den ganzen Tag. Motiviert und ausgeschlafen kletter ich aus meinem Bett – mein zuverlässiges Plastikschätzchen namens Kaffeemaschinska – wurde wieder durch den ursprünglichen Kaffeevollautomaten ersetzt. Dieser befand sich in Quarantäne einer Werkstatt und nimmt nun wieder eine Menge Platz auf meiner Arbeitsplatte ein. Nun ja irgendwie ein Stück Normalität, dennoch der Kaffee schmeckt komisch. Nicht so gut, bin ich verwöhnt? Von so einem ollen Plastikding? Oder liegt es daran, dass ich mir vorher die Zeit nahm, die Bohnen zu mahlen, Wasser in den Tank zu füllen, die Thermoskanne auszuwaschen etc. Quasi nicht einfach nur auf einen Knopf drücken und fertig, sondern es zu zelebrieren?

Der Kaffee am Morgen – liebe Teetrinker und Smoothieschlürfer vielleicht könnt ihr das ein bisschen nachvollziehen – muss einfach ein Kaffee sein. Nicht zu stark, nicht zu dünn und mit einem Schuss Milch. Ich lege da schon sehr viel wert drauf und wie man sieht, verändert Corona sogar meinen Anspruch an für mich guten Kaffee. Ich glaube in den nächsten Tagen werde ich mal wieder die türkische Variante ausprobieren. Diese habe ich nach vielen Jahren auf einem wunderbaren Urlaub zu schätzen gelernt. Mangels Kaffeemaschine – mein Blick am ersten Morgen wurde gott sei Dank nicht interpretiert, als ich den Wassertopf auf dem Gasherd zum sprudeln brachte – der Kaffee war übrigens einfach mega lecke. Doch was ich damit sagen möchte, wenn du dir die Zeit nimmst, für etwas was dir wichtig ist und du meinst, es zu deinem Ritual zu machen – wie eben der Kaffee am Morgen – dann schaue, dass es wirklich wirklich auch 100 Prozent dein Geschmack trifft und es etwas Besonderes ist. Immerhin startest du damit in den Tag.

Um 9 Uhr habe ich ein wirklich inspirierendes Gespräch mit der lieben Ingrid aus Bayern. Hört sich vielleicht so an, als würden wir uns schon Jahre kennen. Und so fühlt es sich auch irgendwie an – aber dem ist nicht so. So langsam fange ich an Corona dankbar zu sein, es schickt mir eine Menge neuer Menschen in mein Leben, die viel Wissen mitbringen, und mit denen ich mich auf einer wunderbaren Ebene austauschen kann. Wir lachen viel und sind uns in vielen Punkten einig. Denke da wird in Zukunft ganz bestimmt noch mal ein Extrabeitrag kommen, vielleicht auch im Videoformat. Ups ich live und mit Ton. Na wir werden sehen, doch warum nicht.

Gegen 11.30 Uhr fängt der Haushund an zu jammern, dass er dann doch gerne mal eine Runde um die Gemeinde drehen möchte. Ich verabrede mich mit der Freundin des Nachbars zur gemeinsamen Gassirunde. Schließlich muss man auch mal andere Stimmen hören, um wenigstens in eingeschränkter Freiheit nicht auch noch den Rest zu verlieren. Wir laufen und laufen und vergessen die Zeit. Und was uns auffällt auf den Weg, auch wenn die Menschen auf Abstand sind zu einander, sie grüßen freundlich und das ehrlich. Vor Corona war es eher das oberflächliche Moin – gehört sich nun mal so, zu grüßen – jetzt ist es ein Blickkontakt und ein Lächeln.

Wir halten in der Werkstatt von Heike. Sie ist die Grafikdesignerin, welche uns ein Logo für unser Smartlovers Projekt gebastelt hat und wie gesagt die Freundin meines Nachbarn. In ihrer Werkstatt hängen Lichtobjekte mit dem schönen Lübecker Holstentor und ich frage sie, warum dies nicht im wunderschönen Lübecker Rathaus hängt. Ganz ehrlich, vielleicht liest dies hier auch nur irgendwer von der Stadtverwaltung oder Handwerkskammer – steht auf eurer Fahne nicht, regionale Kunst und Handwerker zu unterstützen? Heike erzählt mir, dass sie in den letzten Monaten schon viel unternommen hat, ihre Objekte auszustellen. Sehr schade, dass es anscheinend nur einem bestimmten Personenkreis vorbehalten ist, seine Kunst zu zeigen. Aber wir werden sehen – ich glaube das hat ne Menge Potenzial. Wir werden sehen…

Lübeck zum Hinhängen – von Heike Cordes
Klein – groß – mit Ecken und Kanten oder rund – tolle ideen wurden hier umgesetzt.

Mein kleiner Shih-Tzu Prinz signalisiert mir, dass er jetzt ziemlich hungrig ist. Und hungrige Hunde sind ungefähr genauso zickig, wie ich, wenn der Kaffee morgens nicht schmeckt. So treten wir den Rückweg an, denn in 1,5 Stunden wartet schon der nächste Spaziergang auf mich. Da wir nur noch zu 2 rausdürfen, muss man sich das ja gut einteilen und genau gucken, mit wem man seine Runden dreht. Mein armer kleiner Hundekumpel springt mir freudig entgegen, also ich das G-Wort sage und die Hundeleine nehme. Was er nicht ahnt, dass diese Runde noch größer wird, als die am Mittag. Doch so ein Hund würde sich niemals beschweren, so passen wir unser Tempo den kurzen Hundebeinen an und schauen mal nach links und rechts. Am Hafen von Schlutup scheint die Sonne zwischen Kirchendach aufs Wasser, ein Entenpärchen vergnügt sich auf dem Radweg und wenn man keine Nachrichten hören würde, könnte man meinen die Welt ist wirklich so friedlich.

Etwas weiter treffe ich eine alte Bekannte – ja, aufgrund viel Arbeit bin ich in meinem Dorf eher nicht mehr so informiert. Nach dem Motto – nicht mein Zirkus, nicht mein Affe – halte ich mich aus dem Dorftratsch raus bzw. ich komme gar nicht in die Gelegenheit, dass ich sowas mitbekomme. Ist auch nicht schlimm, ich lebe ohne das Wissen sehr gut. Allerdings ist ja nun Coronatime und ich gehe täglich spazieren. So bleibt es nicht aus, ich treffe auf Menschen die ich kenne. Verwundert, als wäre ich aus irgendeiner Versenkung aufgetaucht, werden nun konzentriert auf 5 Minuten die Infos der letzten 2 Jahre ausgetauscht. Spannend wer sich alles getrennt hat, wer weggezogen ist, oder vorhat wegzuziehen. Familien mit einem historischen Stammbaum hier im Ort, zack alles verkauft und weg. Unglaublich, und ziemlich mutig. Menschen die glücklich in ihren Jobs zu sein schienen, machen nun was ganz anderes. Ich finde es macht unheimlich Mut – so sieht man, dass nach dem Stillstand immer etwas neues kommt. Der Spaziergang dient neben der Erholung und Information also auch mal wieder der Erkenntnis, ruhig seinen Weg zu gehen.

Also wir in den Wiesen ankommen, zeigen sich zwei kleine Lämmchen. Sie toben und spielen und hüpfen so unbeschwert über die Wiese. Wir bleiben stehen, denn es ist einfach so frei, ihnen dabei zuzusehen. Hier sieht man mal wieder, der Natur ist Corona völlig Latte. Sie entwickelt sich trotzdem einfach weiter. Und genau das dürfen wir auch. Es bedarf keiner Angststarre wegen Corona. Immerhin haben wir diese Starre ja nun schon seit 3 Wochen und mittlerweile gelernt, dass wir relativ sicher sind. Also darf nun jeder anfangen mal zu schauen, was für eine Kraft und positiver Energie liegt denn in der Corona-Freizeit bei ihm?

Der Abend verläuft dieses Mal anders – aufgrund des frühen Mittagessens – fällt Abendbrot aus. Aufgrund der inspirierenden Gespräche heute – danke Ingrid, danke Heike und danke Fitore – sitze ich nun an einem ganz neuen Entwurf meines Buches. Endlich macht es alles Sinn!

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