the-end-1544913_1920… ein Schritt zu viel im Stadtverkehr,
dann leb ich vielleicht heute, nur ’n kleines bisschen mehr.
Dann wiegt die Welt nicht ganz so schwer
und jeder Atemzug ist so viel wert,
dann leb ich vielleicht heute nur ’n kleines bisschen mehr.

So sang es Roger Cicero vor einigen Jahren. Hatte er seine Liedtexte gelebt?

Wie auch immer, auch ich durfte nun mehr oder weniger erfahren, was ein Mensch denkt, wenn die letzten Tage in seinem Leben angebrochen sind. Beruflich bedingt! Und egal, es hat mich gefreut diesen Menschen zu unterstützen und auf eine doch ganz eigenwillige Art und Weise weiterhelfen zu dürfen. Anlass genug um euch mit einem neuen Artikel zu beglücken. Denn das Leben ist letztlich immer viel zu kurz, um all seine Ziele erreicht zu haben und/oder das Wichtige vom Unwichtigen immer zu unterscheiden.

Willst du wissen was morgen oder übermorgen ist?

Klar, wir alle können nicht in die Zukunft sehen. Dennoch spielen wir das tägliche Spiel und kommen unseren Pflichten nach. Auf der Suche nach Glück, finanzieller Unabhängikeit, Harmonie und Freiheit finden wir uns oft auf dem gegenteiligen Weg wieder. Wir werden zu Maschinen, powern bis zum Letzten und wollen das auch noch möglichst von allen Ecken und Enden gewertschätzt haben. Doch woher nehmen wir uns dieses Recht, wenn wir uns selbst doch oftmals so einer Qual aussetzen, uns permanent den Kopf vor Sorgen zerbrechen und lediglich beim Stammtisch mit Freunden diese locker flockigen Sprüche auf den Lippen haben, dass man das Leben leichter nehmen sollte.

Du kommst mit leeren Händen und gehst mit leeren Händen!

So hatte es meine Großmutter immer zu sagen gepflegt. Sie legte sehr viel Wert auf Gemeinschaft und auf Harmonie, zumindestens in der Familie. Als ich meine Kundin das erste Mal getroffen habe, war da nichts von Gemeinschaft, von Harmonie. Sie war vom Leben gezeichnet, sie war alleine und sie wusste, dass es bald vorbei sein wird. Alles drum herum, meine Tipps, Ratschläge und sämtliche Bemühungen sie beruflich zu unterstützen wurden abgelöst von Menschlichkeit. Menschlichkeit in Form von banalen Dingen wie Zuhören, ein Lächeln und auf Impulse zu setzen, was noch erlebt werden möchte. Leider haben wir dies nicht mehr umsetzen können, auch wenn wir uns schon drauf gefreut haben dies zu tun.

Die Menschen und ihre Geschichten

Ja, auch meine Kundin hatte ihre ganz persönliche Geschichte. Aber waren die Erinnerungen der letzten Tage geprägt von den positiven Dingen, von Dankbarkeit und von Liebe zu sich selbst. Das Gefühl den Rest des Lebens nun so zu nehmen und zu nutzen wie es eben kommt, ist eine wichtige Erkenntnis, welche sie mir mitgegeben hat. Und ich habe wirklich gelernt, dass es mich in allererster Linie gar nichts angeht, was sich hinter den Fassaden meiner Mitmenschen verbirgt. Ich brauche auch nicht alles zu hinterfragen und mich selbst immer für schuldig erklären, wenn es mal nicht so läuft. Und schon gar nicht brauche ich meine Energie dafür zu verwenden krampfhaft irgendwas zu erreichen. Alles kommt anders als geplant und gedacht. Ja, wir haben dennoch geplant, und natürlich kam es anders.

Sie dachte…

…. sie hätte glücklicher sein müssen.

… sie hätte mehr für ihre Kinder tun müssen.

… sie hätte gesünder leben sollen.

… sie hätte sich mehr um sich kümmern müssen.

…. sie hätte sich einfach nicht so über die vielen Kleinigkeiten aufregen sollen.

Ja, in Zustimmung ihrerseits darf ich das hier schreiben. Sie hätte… doch sie hat es nie! Zu sehr war sie im Alltag gefangen. Zu sehr hat sie darauf Wert gelegt, für andere gut dazustehen. Sie hat darauf gebaut, wenn sie selbst am Abgrund steht, dass jemand da ist der sie auffängt. Nix ist passiert! Und trotzdem war sie in den letzten Wochen und Tagen geprägt von Demut und Dankbarkeit. Sie war nicht mehr böse auf sich selbst. Ihre schönen und wunderbaren Momente hat sie Revue passieren lassen und Frieden mit sich geschlossen.

Sei friedlich mit dir selbst!

Und genau das ist ihr wichtig gewesen. Als sie die Diagnose und die Prognose bekam ging es nicht mehr darum, was sie in ihrem Leben alles nicht erreicht hat. Es ging nicht darum wie doof die Nachbarn waren, wie anstrengend der Job und wie gemein der Chef war. Und auch das der Partner seine Socken liegen liess war völlig nebensächlich. Es ging das erste Mal um sie selbst! Sie hat Frieden geschlossen, mit sich und mit dem Leben. Frieden mit ihrer Familie und ihren Mitmenschen. Und sie hat aufgehört sich zu verurteilen! Zu verurteilen das sie diese Erkrankung hatte.

DU bist perfekt so wie du bist!

Ihr größtes Hindernis zu einem erfüllten Leben war immer, dass sie sich nie so annehmen konnte wie sie gerade war. Selbst als sie ihre Diagnose bekam, machte sie sich Vorwürfe darüber, dass sie alles hätte anders machen müssen. Doch die Erkenntnis war, es war so wie es ist. Sie war so wie sie gewesen ist PERFEKT. Und diese Message hat sie mir mit auf den Weg gegeben. Selbst wenn man mal etwas faul, etwas unordentlich, etwas gemein oder auch etwas zu vertrauensselig ist. Die Erfahrungen als solche zu nutzen, nicht ständig einem unrealistischen Bild hinterherzulaufen, welches einem irgendwann mal diktiert wurde oder welches man sich selbst auferlegt hat. So wie es ist, so ist es für diesen Moment richtig. Allerdings hat ja immer irgendwas ein ABER. Also 🙂 Aber man darf auch an seine Träume, Ziele und Wünsche glauben und sich in diese Richtung bewegen. Und es ist auch super, wenn man sich dabei einfach mal etwas vertraut. Weiter geht es immer … Irgendwie! Sich darum zu sorgen ohne zu handeln bringt aber letztlich gar nix.

Ja, ein Stern funkelt nun besonders hell am Himmel. Und ich habe aus diesen Treffen viel gelernt. Wenn auch nicht von Anfang an, denn für mich war es „nur“ mein Job. Im Nachhinein möchte aber auch ich DANKE sagen. Danke für diese Möglichkeit, für diese Erfahrung diesem Menschen begegnen zu dürfen und für die kleinen Hinweise, welche mir mit auf den Weg gegeben wurden. Meinen Lesern möchte ich sagen, lebt so wie ihr leben möchtet. Schämt euch nicht für euren Lebensstil. Grämt euch nicht über Menschen die anders ticken. Sagt eure Meinung, wenn es aus eurer Sicht angebracht ist, aber behaltet den Respekt den anderen gegenüber. Und übernehmt Verantwortung für euch selbst! Legt die Mobilfunkgeräte und materielles Denken zur Seite und seid mal ganz für euch selbst. Spielt mit euren Kindern. Unternehmt schöne Dinge mit eurer Familie. Glaubt an eure Träume und bewegt euch zielgerichtet in diese Richtung. Macht aus Nichts etwas Großartiges!

In diesem Sinne schicke ich etwas emotionale und sentimentale Grüße zu euch. 🙂

 

(Foto: pixabay.com)

 

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